Wie man sich 1977 bemühte, eine relativ geringe Arbeitslosigkeit zu beseitigen.
In den 60-er und Anfang der 70-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatten wir in der damaligen Bundesrepublik Deutschland eine Vollbeschäftigung, ja sogar eine Überbeschäftigung. Die Zahl der Arbeitslosen war bis auf 271000 gesunken.Die Arbeitslosenquote lag 1970 unter 1 %. Damals hörte man viele Unternehmer sagen: "Was wir brauchen, ist eine grössere Arbeitslosigkeit."
In einem ( heute noch gültigen ) unter der Grossen Koalition 1967 beschlossenen Stabilitäts- und Wachstumgesetz ist festgeschrieben, dass Bund und Länder für einen "hohen Beschäftigungstand" zu sorgen haben. Durch eine vom Ölpreisschock 1973 hervorgerufene Krise stieg die Arbeitslosigkeit über die Ein-Millionen- Grenze.
Auf der Grundlage des Stabilitätsgesetzes sollten damals alle am Wirtschaftsprozeß beteiligten Gruppen ihr Verhalten aufeinander und auf die Eckdaten abstimmen. Deshalb wurden auch die im Februar 1967 ins Leben gerufenen Treffen der "Konzertierten Aktion" im Stabilitätsgesetz verankert und als feste Einrichtung bis 1977 fortgeführt. Als wir uns dann nach dem Scheitern dieser "Konzentrierten Aktion", die in etwa den heutigen Gesprächen des "Bündnisses für Arbeit" entsprach, auf das Stabilitätsgesetz beriefen, stiessen wir hier auf Granit. Seitdem hörte man von diesem Gesetz fast überhaupt nichts mehr, wohl deshalb, weil man im Interesse der Unternehmer von einer aktiven Arbeitsbeschaffungspolitik ( Vollbeschäftigungspolitik ) nichts mehr wissen wollte.
Als ich mir zu dieser Zeit aus Informationsgruenden ( vergl. Aktien der Kritischen Aktionaere dienen als Mittel zur Beschaffung von Informationen aus dem Versorgungsbereich ) eine VEBA- Aktie besorgt hatte, sprach ich unseren AfA- Bezirkssekretär an, er solle doch über die Partei die im dortigen Aufsichtsrat befindlichen Regierungs- und Arbeitnehmervertreter wegen der Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen ansprechen. Ich würde dann als Aktionär ggf.einen entsprechenden. Antrag stellen. Er sagte mir aber, dies wäre unmöglich und würde nichts bringen. Das konnte ich zunächst nicht verstehen.und führte es auf mangelnde Einsatzfähigkeit des Parteisekretärs zurück. Als ich ihn aber später näher kennelernte, habe ich ihn verstanden. Wir stellten dann ja auch mit seiner Hilfe ähnliche Anträge auf AfA- Konferenzen und Parteitagen, setzten sie inhaltlich auch gegen mehr oder weniger Widerstand durch, konnten aber in der Praxis auf diesem Gebiet im Gesamtbereich sehr wenig ändern .
Die damalige sozialliberale Bundesregierung unter Helmut Schmidt versuchte dann doch durch einzelne Investitionsprogramme gegen die Arbeitslosigkeit anzugehen, wurde aber von dem Koalitionspartner FDP gebremst. Damals redete man schon von einer zunehmenden "Staatsverschuldung", wenn zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit grössere Kreditsummen für Zukunftsinvestitionsprogramme gefordert wurden. Unser damaliger Bezirksvorsitzender ( SPD- MdB und Mitglied des Parteivorstandes ) Heinz Junker ( als Dipl. Volkswirt war er im Bundestag langjähriges Mitglied des Wirtschaftsausschusses ) vertrat in den Diskussionen die Meinung, eine hohe Staatsverschuldung an sich beeinflusse die Finanz- und Wirtschaftslage eines Staates nicht negativ, da ja in einer geschlossenen Volkswirtschaft die Gläubiger des Staates seine Bürger seien.
Wenn ich die damalige absolute und relative Schuldenhöhe mit der heutigen vergleiche, sehe ich diese These bestätigt. Die sog. Staatverschuldung ist in meinen Augen nichts anderes als eine Keule der konservativen Kräfte gegen eine Ausweitung des sozialen Staates, ja sogar weitergehend für Sozialabbau.
Das hat sogar meine Frau, die sich normaler Weise von den Medien mehr beeinflussen laesst als von mir, verstanden. Sie erzaehlt immer wieder aus der damaligen Zeit ( um 1980 :bei Kanzlerschaft von Helmut Schmidt ) von einem Nachbarn, der ihr im privaten Gespraech wohl immer wieder von der sonst doch so "sozialen SPD" vorjammerte, sie hätten doch nur so arg den Staat verschuldet.
Aus den Jahren 1977/1978 liegt mir eine Dokumentation mit dem Thema "Drei Sporthallen für die drei berufsbildenden Schulen des Kreises H ö x t e r in Brakel, Warburg und Höxter" vor, die ich hier mit den wesentlichen Zeitungsberichten aus der Anlage darstelle.
Sie war damals von der AfA des Kreises Höxter erstellt worden , der ich seinerzeit als Vorsitzender vorstand. Dabei kam mir zugute, dass ich Mitglied im Kreistag und Lehrer an den Kaufmännischen Schulen des Kreises war.
Vorweg muss ich grundsaetzlich bemerken, dass ich persoenlich fast immer meine Positionen in der Politik aus der Minderheitenposition durchsetzen musste. Das galt sowohl im öffentlichen, als auch im innerparteilichen Bereich. Meinen politischen Einfluss ueber meine Partei- Funktionen ( Schriftführer im OV und zeitweise UB ) und Mandats- Funktionen ( Kassierer in der Kreistagsfraktion ) wollte und konnte ich nie allein nutzen. Als mir dann unser MdL, den ich aus unserer Minderheitenlage soweit gefoerdert hatte, riet, doch den UB-Vorsitz in der AfA zu übernehmen, habe ich immer alle Aktionen ( auch bei Pressemitteilungen ) im Vorstand abgestimmt. Schwierigkeiten gab es damals zunächst bei den Presseberichten von Arbeitsgemeinschaften, die aber dann intern schnell überwunden wurden.
Es gelang uns hier, durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit aus der Opposition heraus ein damaliges Investititionsprogramm ( hier : Bau von Sporthallen für berufsbildende Schulen ) voll auszuschöpfen. So erhielten in relativ kurzer Zeit alle 3 diesbezüglichen berufsbildenden Schulen des Kreises an ihren 3 Standorten je eine Sporthalle, die damals von der Landesregierung in NRW bezuschusst wurden.
Ich erinnere mich noch an all die Schwierigkeiten, die sogar in den eigenen Reihen auftraten :
1. So waren zu Beginn meine Kreistagskollegen nicht dafür zu gewinnen, eine grosse Unterschriftenaktion an den Standorten der Schulen mit offiziellen Einwendungen gegen den Haushaltsplan zu starten, was in NRW nach der Gemeinde- bzw. Kreisordnung möglich ist. Wir hatten so etwas im Höxteraner Stadtrat einmal erfolgreich praktiziert.
2. Auch im vorentscheidenden Finanzausschuss war ich von der Fraktion allein anwesend, was ich aber im nachhinein als einenVorteil ansah, als der Oberkreisdirektor versuchte, mit allen Mitteln mich zum Zurückziehen meines Antrages zu bewegen. Da wäre es nämlich durchaus möglich gewesen, dass mich die eigenen Leute zum Rückzug gedrängt hätten.
Auch als sich der Erfolg bereits abzeichnete, ja sogar schon eingetreten war, trat man mir gegenüber in dieser Angelegenheit eher reserviert auf.
3. Eine weitere Schwierigkeit sollte letztlich wieder zum Vorteil werden : Die örtlichen Untrnehmer in der Indusrie- und Handelskammer waren gegen den Bau der Turnhallen, da sie bei möglichem vollen Sportunterricht der Berufsschüler fürchteten, dass ein 2. Unterrichtstag für diese eingeführt werden müsse, wodurch für sie dann weniger Zeit in den Betrieben zur Verfügung stände.
Da aber der Einfluss der Unternehmer in den übrigen Kreisen des Regierungsbezirks sich wohl durchsetzte, wurden von diesen Kreisen keine Anträge gestellt, sodass genügend Gelder für die 3 Turnhallebauten im Kreis Höxter abgegeben werden konnten.
Aber ein wesentlich anderer Punkt beeinflusste die Durchfuehrung der
Bauten positiv : 2 Architekten aus der CDU- Kreistagsfraktin erhielten
die entsprechenden Planungs- und Bauaufträge.