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Übler Geruch

Der römische Kaiser Vespasian hatte nicht Recht: Geld stinkt doch. Manchmal sogar bis zum Himmel - wie im Eon-Ruhrgas-Fall. Natürlich lässt sich schwer mit Begriffen wie Anstand und Ehre bei einem solchen Monopoly argumentieren, bei dem es um die Ausweitung wirtschaftlicher Macht, um die Maximierung von Gewinnen ging, und bei dem die Interessen eines Konzerns fälschlicherweise mit dem Gemeinwohl gleichgesetzt wurden. Aber soll man es wirklich gleichmütig hinnehmen, wenn wieder einmal bewiesen ist, dass - frei nach Bertolt Brecht - erst das Fressen und dann die Moral kommt ?

Eon-Chef Ulrich Hartmann hat in den vergangenen knapp zwei Jahren der Öffentlichkeit vorgeführt, was Kapitalismus pur bedeutet. Ohne sich um die Bedenken des Kartellamts zu scheren, das ihm schon frühzeitig seinen Widerspruch gegen die Mammut-Fusion signalisierte, zog er die Strippen. Peu à peu kaufte er den Ruhrgas-Aktionären ihre Anteile ab und ließ sich weder von der Untersagungsverfügung der Wettbewerbshüter noch vom Urteil der Monopolkommission in seinem Tun stören. Anschließend mauschelte er mit dem Bundeswirtschaftsministerium in einer einem Rechtsstaat Hohn sprechenden Weise die Ministererlaubnis aus - wer mehr darüber wissen möchte, sollte sich beim Vorsitzenden Richter des Kartellsenats am Düsseldorfer Oberlandesgericht erkundigen.

Zum schlechten Schluss zog der Eon-Manager die neun Kläger gegen den Zusammenschluss nach dem Muster des mittelalterlichen Ablasshandels auf seine Seite, in dem er ihnen ein paar gute Worte und eine Stange Geld anbot. Nun hat er sein Ziel erreicht. Auf der Strecke geblieben ist ein großes Stück Wettbewerb auf dem deutschen Gasmarkt. Doch wen interessiert schon Wettbewerb. jk

Dies war ein Kommentar zu : Wirtschaft: Eon kauft den Weg zur Übernahme von Ruhrgas frei

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Dokument erstellt am 31.01.2003 um 17:16:14 Uhr
Erscheinungsdatum 01.02.2003