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Ex-Chef der WestLb ist tot

Neuber galt als Macht am Rhein

Düsseldorf · 24. Oktober · dpa · Der langjährige Vorstandschef der Westdeutschen Landesbank, Friedel Neuber, ist tot. Wie die Bank mitteilte, starb Neuber am Samstag im Alter von 69 Jahren im Anschluss an eine ärztliche Routineuntersuchung "plötzlich und unerwartet" an Herzversagen. Die WestLB reagierte mit "großer Betroffenheit" auf die Nachricht. Neuber hatte die Bank zwischen 1981 und 2001 geführt.

Zum beruflichen Aufstieg des Quereinsteigers ohne Abitur und Studium in die Chefetage der Staatsbank, die im Jahr 2002 in die öffentlich-rechtliche Landesbank NRW und die private WestLB aufgespalten wurde, trugen nicht nur sein Ehrgeiz und sein Fleiß bei, sondern auch seine politischen Verbindungen. Bereits mit 26 Jahren war Neuber SPD-Landtagsabgeordneter. In zwei Jahrzehnten baute er den Bankkonzern aus und machte ihn mit einem weit verzweigten Netz von ausländischen Niederlassungen zu einer Top-Adresse der Branche.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) erklärte am Sonntag, "mit seinem unermüdlichen und leidenschaftlichen Einsatz" habe Neuber der Bank "ein einzigartiges Gesicht gegeben und sie zu einem nach wie vor starken Stück Nordrhein-Westfalen gemacht".

In der Wirtschaft des Bundeslandes lief ohne den mächtigen WestLB-Chef nichts. Von der Fusion der Mischkonzerne Thyssen und Krupp, über Metro, Gildemeister, Babcock Borsig bis zur LTU - Neuber mischte mit und praktizierte Industriepolitik. Seine ehrgeizigen Pläne, über die frühere Preussag (heute TUI) einen Tourismuskonzern zu schmieden, scheiterten 1997 nur am Widerstand der Kartellbehörde. Neuber stand an der Spitze zahlreicher Aufsichtsräte unter anderem bei TUI, RWE und Babcock Borsig.

1999 geriet der quirlige Banker, der wegen seines Einflusses gern als "Macht am Rhein" bezeichnet wurde und als Scharnier zwischen rot-grüner Landesregierung und Wirtschaft galt, im Zusammenhang der Düsseldorfer Flugaffäre in die Schlagzeilen. Politiker sollen auf Kosten der WestLB den Flugdienst der Bank genutzt haben. Gleichzeitig ermittelten Staatsanwälte gegen Neuber und andere Vorstandsmitglieder, weil die WestLB Kunden systematisch beim Geldtransfer nach Luxemburg unterstützt haben soll. Das Verfahren wurde gegen eine Geldbuße eingestellt.

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Dokument erstellt am 24.10.2004 um 17:09:07 Uhr
Erscheinungsdatum 25.10.2004