Beratungsfirma IPC sammelt bei privaten Investoren Geld für Mikrokredite in Osteuropa und Lateinamerika ein
Um das Geschäft mit Krediten an Kleingewerbetreibende und Handwerker in Schwellen- und Entwicklungsländern auszubauen, geht die Beratungsgesellschaft IPC einen ungewöhnlichen Weg der Refinanzierung. Sie legt zwei Anleihen für Kleinanleger auf.
VON DETLEF FECHTNER
Kredit fürs Kleingewerbe (IPC)
Frankfurt a.M. · 16. Juli · Unter dem gemeinsamen Markennamen Pro Credit haben 18 Banken im vergangenen Jahr Kredite im Wert von fast 600 Millionen Euro betreut. Dieses Volumen ist zwar im Vergleich zu den entsprechenden Kennziffern privater Großbanken gering. Im Unterschied zu den Finanzriesen teilt sich diese Summe aber in sehr kleine Einzeldarlehen auf. Denn auf der Kundenliste der Pro-Credit-Institute stehen weder der Siemens-Konzern noch betuchte Privatkunden aus dem Taunus oder aus Blankenese, sondern Kleingewerbetreibende aus Angola, Nicaragua, Georgien oder anderen Entwicklungs- und Transformationsstaaten.
"Ich vermeide gerne den Begriff arme Leute", sagt Claus-Peter Zeitinger, der Gründer der Beratungsgesellschaft IPC, die das Netzwerk der Mikrofinanzbanken initiiert hat. Schließlich handele es sich um Kleinunternehmer, die in den jeweiligen Ländern eher der Mittel- oder sogar der Oberschicht zuzurechnen seien. Auf rund 5000 Dollar beziffert Zeitinger den durchschnittlichen Betrag, mit dem Kunden in den Ländern Osteuropas bei den Pro-Credit-Banken in der Kreide stehen.
Anleihen
In den nächsten zwei Monaten will die Beratungsgesellschaft IPC Kleinanlegern Inhaber-Schuldtitel im Volumen von sechs Millionen Euro anbieten. Den Investoren wird eine Verzinsung von jährlich fünf Prozent (drei Jahre Laufzeit) und 6,5 Prozent (sechs Jahre laufzeit) angeboten. Die Papiere werden in der Stückelung 10 000 Euro offeriert. Informationen über die Emission sind unter www.ipcgmbh.com abrufbar. fed
Die Zinsen, die Pro-Credit-Institute dafür verlangen, sind üppig: Im Schnitt müssten die Kreditnehmer 24 bis 34 Prozent zahlen. Zeitinger verteidigt die Höhe der Ausleihsätze mit drei Argumenten: Erstens würden die Händler und Handwerker bei anderen Banken überhaupt keinen Kredit bekommen, zweitens müssten sie bei lokalen Geldverleihern mindestens das Dreifache an Zinsen berappen. Und drittens verlangten die Mikrofinanzbanken für Kredite keine Sicherheiten in Form von Vermögenswerten - denn die könnten die Kunden ja gerade nicht vorweisen: "Wir bestehen nicht auf Garantien."
Wegen des rasch steigenden Kreditvolumens - in diesem Jahr rechnet Zeitinger mit mehr als einer Milliarde Euro - suche IPC nun private Kapitalgeber (siehe Kasten). Denn einerseits werde es für die staatlichen Partner der Projekte wie etwa die KfW schwierig, den Kreditrahmen auszudehnen. Andererseits hätten Großbanken kein Interesse an einem Engagement in der Mikrofinanzierung von Entwicklungsländern. Sie seien allenfalls auf Konsumdarlehen aus, die Zeitinger aber ablehnt. Seiner Firma gehe es darum, Unternehmen vor Ort zu fördern. Die Finanzierung von Verbraucherkrediten berge hingegen die Gefahr, die Menschen in den aufstrebenden Volkswirtschaften in die Schuldenfalle zu treiben.
Mit der Begebung von Schuldtiteln will Zeitinger zugleich die Position der eigenen Firma im Beteiligungsverbund stärken. In anderen Worten: Er möchte verhindern, dass der Einfluss der privaten Geldgeber auf das Mikrofinanz-Netzwerk schrumpft und die ganze Sache zu einer von staatlichen Förderbanken gesteuerten Angelegenheit wird.
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Dokument erstellt am 16.07.2004 um 17:36:19 Uhr
Erscheinungsdatum 17.07.2004