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Neue Westfälische (Höxter) vom 10.09.1979 - Briefe an die Lokairedaktion

Traute Kirsch : Offener Brief an den Oberkreisdirektor des Kreises Höxter Herrn Paul Sellmann 347 Höxter

Sehr geehrter Herr Sellrnann!

Pressemitteilungen, die in der letzten Woche sowohl im Westfalenblatt als auch in der NEUEN WESTFÄLISCHEN zu finden waren, veranlassen mich, Ihnen - auch im Namen der FDP-Kandidaten für den Kreistag — einige Fragen zu stellen.

In diesen Mitteilungen wird nämlich bezüglich der Wasserversorgung die Situation so geschildert, als ob ein bestehendes Defizit an Wasser in Mangelräumen von Ostwestfalen-Lippe durch einen nun glücklicherweise neu festgesetzten Reichtum an Wasser in Höxter gedeckt werden könne.

Meiner Meinung nach könne man aber auch folgende Darstellung der Wasserversorgungsproblematik geben:

Die Gelsenwasser AG oder die mit ihr eng verbundene Vereinigte Gas- und Wasserversorgung GmbH hat von der Stadt Höxter zwei Wassergewinnungsanlagen gekauft, die nur profitabel betrieben werden können, wenn das dort zu gewinnende Wasser in entsprechenden Mengen bzw. zu entsprechenden Preisen abgesetzt werden kann. Das heißt, die Gelsenwasser hat Absatzprobleme und will sie über ein Verbundsystem, bei dem bestehende örtliche Brunnen trockengelegt werden müßten, lösen. Dabei würde diese Gesellschaft eine Monoposituation erhalten, die sie in die Lage versetzen würde, die Preise erheblich anzuheben.

Im Interesse der Klärung der Frage, welche Darstellung der Wahrheit am nächsten kommt, die ich für die Meinungsbildung und Entscheidungsfindung in Sachen Kreiswasserversorgung sehr wichtig finde, möchte ich Ihnen nun folgende Fragen stellen:

1. Muß man aus den in den letzten zwölf Monaten umfangreichen Prüfungen des Wassers bezüglich Qualität und Menge schließen, daß sowohl die Stadt Höxter die kostspieligen Investitionen zur Errichtung der Wassergewinnungsanlagen als auch die Gelsanwasser AG den Kauf dieser Anlagen auf „Gut Gluck" ohne Kenntnis der „Schätze" getätigt hat?

2. Wie ist der Stand der Verhandlungen zwischen dem Kreis Höxter bzw. den einzelnen Städten des Kreises Höxter und den Städten Blomberg, Horn, Detmold, Lage, Lemgo, Bad Salzufeln, Bielefeld und Herford auf der einen Seite und der Gelsenwasser AG auf der anderen Seite und welche vertraglichen Bindungen bestehen bereits?

3. Hat man unter den Einwohnern, die von einer Kreiswasserversorgung betroffen werden, mal Umfrage gehalten, ob sie wirklich hohen Wasserpreisen den Vorzug gegenüber gelegentlich mal auftretender Wasserknappheit geben?

4. Liegen Untersuchungen vor, aus denen man entnehmen kann, wie die Wasserversorgungssituation von betroffenen Gemeinden beschaffen ist?

5. In welchem Umfang werden in den Gemeinden, die in die Kreiswasserversorgung einbezogen werden sollen, Brunnen stillgelegt werden?

6. Welche Absatzmengen müssen erreicht werden, um den Wasserpreis relativ auf dem heutigen Stand zu halten, und für welche Abnahmemengen ist Bedarf da?

7. Halten Sie es für verantwortbar, daß im Zuge des Aufbaus einer zentralisierten Wasserversorgung mit Monopolcharakter und den damit verbundenen bekannten Nachteilen, bestehende Brunnen beseitigt und den Gemeinden und Ortschaften eine wichtige Aufgabe genommen wird ?

Für eine baldige Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen Ihre

Traute Kirsch
1. Vorsitzende des FDP-Kreisverbandes