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Nr. 141 Neue Westfälische (Höxter) vom 22.06.1983

Offener Brief von Traute Kirsch an die örtlichen Abgeordneten zur Wasserentnahme in Höxter

An die Landtagsabgeordneten des Landes Nordrhein-Westfalen Horst Heln (SPD) und Antonlus Rüsenberg (CDU).

Die Pläne der Vereinigten Gas- und Wasserversorgungsgesellschaft, für den Kreis Höxter und Ostwestfalen-Lippe Verbundsysteme zu schaffen, die mit dem Wasser aus den Brunnen „In den Wellen" und „Kapellenbreite" gespeist werden sollen, erfüllt immer mehr Bürger im Kreis Höxter mit großer Besorgnis. An Sie als den heimischen Abgeordneten im Landtag von Düsseldorf wenden wir uns deshalb mit der Bitte, Stellung zu beziehen und die Bemühungen der Bürger vor Ort, die die Erteilung der Genehmigung der wasserrechtlichen Bewilligung an die Vereinigte Gas-und Wasserversorgungsgesellschaft verhindern wollen, zu unterstützen.

Zunächst möchten wir Ihnen drei Einwände grundsätzlicher Art. die gegen eine zentrale Wasserversorgung sprechen, vortragen:

1. Das Argument, daß nur eine zentrale Wasserversorgung über Verbundsysteme in der Lage sei, langfristig Wasser in ausreichender Qualität zur Verfügung zu stellen, stimmt nicht. Im Gegenteil, Eine solche Wasserversorgung bringt folgende Gefährdungen und Nachteile mit sich:

- Bei Unfällen, die den Brunnen betreffen oder das Leitungssystem in Mitleidenschaft ziehen, kann die Wasserversorgung für größere Gebiete ausfallen.

- Die Mischung verschiedener Wassersorten und die Zugabe von Chlor verschlechtern die Qualität des Wassers.

- Vorhandene kleinere Wasservorkommen werden nicht mehr geschützt und gepflegt, so dass sie nicht mehr zur Verfügung stehen, wenn der mögliche Fall eintritt, dass die zentralen Brunnen den Bedarf an Wasser weder qualitativ noch quantitativ decken können.

Die Problematik, um die es bei der Wasserversorgung geht, wird gerade am Beispiel des Kreises Höxter deutlich. Die Städte des Kreises besitzen nämlich durchweg reichliche Wasservorkommen. Dennoch basiert die Planung für den Kreis auf einem Wassermangel. Dieser erwartete Wassermangel ergibt sich dadurch, daß für die Zukunft aufgrund des Nitratgehaltes mit der Schließung einiger Brunnnen gerechnet wird. In den Planungen hat man aber unberücksichtigt gelassen, daß auch in den Brunnen der Wesertalaue der Nitratgehalt bereits 20 mg/l beträgt und es wohl nur eine Frage der Zeit ist, bis die zulässige Höchstgrenze von 50 mg/l auch in den Brunnen der Wesertalaue erreicht ist.

- Außerdem ist davon auszugehen, daß der Kaliumchloridgehait des Wassers in den Brunnen, der schon jetzt beängstigend hoch liegt, weiter steigt und damit Konzentrationen erreicht, die dem Wasser die Trinkqualität nehmen. Es ist deshalb nicht auszuschließen, daß in einigen Jahren auch die Brunnen in der Wesertalaue wegen ihrer schlechten Wasserqualität geschlossen werden müssen. Eine beachtliche Zahl kleinerer Brunnen wird bis dahin aber aus der Wasserversorgung ausgeschieden sein und dann nicht mehr zur Verfügung stehen, so daß die Wasserversorgung des Kreises Höxter dann nicht mehr gewährleistet ist.

2. Natürlich hegen die Bürger der Stadt Höxter auch die Befürchtung, daB die großen Wasserentnahmen in der Wesertalaue zu ökologischen Schäden und Beeinträchtigungen der Landwirtschaft führen werden.

3. Die Wasserversorgung durch überregionale Wasserverbundsysteme ist sehr viel kostenaufwendiger als die gemeindliche, dezentrale Wasserversorgung. Die außerordentlich gravierenden und völlig unnötigen Preissteigerungen sind den Bürgern nicht zuzumuten.

- Es ist uns bekannt, daß die Schaffung der Verbundsysteme nur unter der Voraussetzung möglich ist, daß das Land Nordrhein-Westfalen Finanzmittel in einer Größenordnung von 100 Mio, Mark zuschießt

- Unser Anliegen an Sie geht deshin, den zuständigen Ministern - also den Wirtsrhaftsminister und den Mnister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten - unsere Bedenken vorzutragen.

- Wir halten es für unverantwortlich. dass ein Projekt, das gravierende Schäden nach sich ziehen wird, ohne auch nur für irgendjernand von Nutzen zu sein, nur deshalb realisiert werden kann, weil das Land aus Steuergeldern bedenkenlos die Zuschüsse zur Vefügung stellt. Deshalb möchten wir Sie bitten, bei den genannten Ministern unsere Bedenken vorzutragen, mit dem Ziel, die offensichtlich schon gegebenen Finanzzusagen zurückzuziehen. Unserer Meinung nach muß in diesem Zusammenhang auf folgende Fakten aufmerksam gemacht werden:

- Der Wassermangel in den zu beliefernden Städten macht ein solches Verbundsystem nicht erforderlich. In den Städten des Kreises Höxter existiert ein Mangel jedenfalls überhaupt nicht. Die für den Verbund vorgesehenen Städte lehnen einen Anschluß an eine Kreiswasserversorgung ab und wollen auf ihre eigenständige gemeindliche Wasserversorgung nicht verzichten. In den Gemeinden von Ostwestfaien-Lippe ist der Bedarf längst nicht so hoch wie angegeben, da man bei Berechnung des Bedarfs, die in den siebziger Jahren vorgenommen wurde, von Bedarfszuwächsen ausgegangen ist, die nicht eingetreten sind. Außerdem ist es unsinnig, für den geringen Anteil, den die Haushalte am Wasserverbrauch haben, so aufwendige Verbrauchssysteme einzurichten.

- Den Ansprüchen eines guten Trinkwassers wird das Wasser aus der Wesertalaue schon jetzt nicht mehr gerecht. Da damit zu rechnen ist, daß sowohl die Nitrat- als auch die Kaliumchloridkonzentrationen ansteigen werden, wird das Wasser aus den Brunnen „In
den Wetten" und „KapeUenbreife" langfristig den Anforderungen von Trinkwasserqualität nicht mehr entsprechen.

- Ohne Aufbereitung wird das Wasser nicht mehr für die Versorgung zu verwenden sein.

- Bei sich ständig verschlechternder Qualität werden die Preise unaufhörlich steigen.
- Die Landwirte werden spürbare Ertragseinbußen hinnehmen müssen

- Gartenbesitzer werden durch Verkarstung ihrer Grundstücke beeinträchtigt werden

- Besitzer von Wasserrechten und Fischereirechten müssen gleichfalls mit Schäden und Nachteilen rechnen

- Die Landschaft wird schwere ökologische Schaden erfahren,

Angesichts der zunehmenden Beunruhigung in der Bevölkerung mochten wir Sie, als den zuständigen Landtagsabgeordneten, dringend darum bitten, sich einzuschalten und dafür einzutreten, dass der fortschreitenden Zerstörung unseres schönen Kreises Höxter Einhalt geboten wird.

Mit freundlichen Grüßen!

Traute Kirsch
Aktionsgruppe Wasser
3472 Beverungen 1
Zum Buchholz 6