Sparkasse bleibt Sparkasse
Frankfurt a. M. · 2. März · fed · Der Versuch, erstmals in Deutschland eine Sparkasse an eine Privatbank zu verkaufen, ist so gut wie gescheitert. Die Pläne der Hansestadt Stralsund, die kommunale Sparkasse zu versilbern, um Geld in die Kasse zu spülen, werden voraussichtlich noch in dieser Woche begraben - genauso wie die Hoffnungen der deutschen Privatbanken, im Nordosten der Republik einen Präzedenzfall zu schaffen.
Wie berichtet waren bereits vor dem Wochenende die Chancen für eine Privatisierung der Sparkasse im Zuge eines Verkaufs gesunken, obwohl mit der Commerzbank und der SEB Bank nach wie vor potenzielle Käufer ihr Interesse bekundeten. Gegen eine solche Transaktion hatten aber sowohl die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern als auch die Sparkassenverbände Front gemacht. Gestern kündigten Vertreter der Stralsunder Bürgerschaft an, dass sie noch in dieser Woche beschließen wollen, das Prüfverfahren einzustellen. "Wir wollen nicht gegen Gesetze verstoßen", wird zur Begründung Stralsunds SPD-Fraktionschef Thomas Haack zitiert. Morgen will nämlich der Schweriner Landtag ein Gesetz verabschieden, das dem Verkauf von Sparkassen einen Riegel vorschiebt.
Verband lobt Entscheidung
Die Verkaufspläne für das vergleichsweise kleine Institut mit knapp 40 000 Kunden waren zu einem Politikum geworden, weil der Übergang der Stralsunder Sparkasse in private Hände eine Welle von ähnlichen Deals hätte auslösen können. Bisher ist das deutsche Finanzgewerbe vom Nebeneinander der drei Säulen - Sparkassen/Landesbanken, genossenschaftliche Institute, Privatbanken - gekennzeichnet. Lagerübergreifende Akquisitionen und Fusionen sind noch tabu. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hatte allerdings schon vor geraumer Zeit darüber berichtet, dass mehrere kommunale Vertreter an ihn herangetreten seien, um über einen möglichen Verkauf der heimischen Sparkasse zu reden.
Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband reagierte mit Erleichterung auf die Entwicklunge. "Die Entscheidung, das Verfahren zum Verkauf der Sparkasse in Stralsund nicht weiter zu führen, ist folgerichtig, weil schon bisher eine Veräußerung nicht möglich war", bekräftigt die Lobby ihre juristische Position. Zugleich fügt der Verband an, dass er sie auch als "in der Sache richtig" bewertet, "weil so ein örtlich verantwortliches Kreditinstitut erhalten bleibt". Eine Fusion mit einer benachbarten Sparkasse wäre nun "ein sinnvoller Weg".
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Dokument erstellt am 02.03.2004 um 17:52:17 Uhr
Erscheinungsdatum 03.03.2004