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Sparkassen installieren Frühwarnsystem

Verband will mit Ampelmodell und Kreditpool hohes Rating erreichen / Erster Verbundabschluss für Hessen und Thüringen präsentiert

Mit einer neuen Risikostrategie versucht der Sparkassenverband Hessen-Thüringen zu verhindern, dass eines der Mitgliedsinstitute in Schieflage gerät. Die Frankfurter Sparkasse (Fraspa) bereitet der Finanzgruppe schon genug Sorgen: Die Krise der Großsparkasse hinterlässt Spuren im ersten Verbundabschluss der Organisation.

VON BERND SALZMANN

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Der Verbundabschluss

Die Sparkassen-Finanzgruppe tritt in Hessen und Thüringen als wirtschaftliche Einheit auf. Für 2003 legte sie ihren ersten Verbundabschluss vor, ein Novum in der deutschen Sparkassenlandschaft. Berücksichtigt wurden alle 51 Sparkassen, die Landesbank Helaba und die Sparkassen-Versicherung Hessen-Nassau-Thüringen.

Im Geschäftsjahr 2003 zeigte sich der Verbund mit 32 000 Beschäftigten und einer Bilanzsumme von mehr als 234 Milliarden Euro als Schwergewicht am Markt. Die Forderungen an Kunden belaufen sich auf fast 120 Milliarden Euro. Als Zinsüberschuss weist die Gewinn- und Verlustrechnung mehr als 2,6 Milliarden Euro aus, als Provisionsüberschuss gut 620 Millionen Euro.

Der Bilanzgewinn: 107 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2004 war ein rückläufiges Firmenkredit- und Einlagengeschäft zu verzeichnen. Eine "Kreditklemme" existiere jedoch nicht. sal
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Frankfurt a.M. · 6. September · Die Sparkassenorganisation von Hessen-Thüringen installierte in ihrem Verbandsgebiet ein Warnsystem, das einer Ampel nachempfunden ist. Es springt von grün auf gelb, wenn ein Institut in Schwierigkeiten zu geraten droht, und es leuchtet rot, wenn der Ernst der Lage eine neue Geschäftspolitik erfordert. Es dauerte Monate, bis die erforderlichen Kennzahlen und Schwellenwerte vereinbart waren. Jetzt hat der Geschäftsführende Präsident des Verbandes, Gregor Böhmer, die Signalanlage "scharf geschaltet". Zugleich wurden Möglichkeiten geschaffen, umgehend auf Warnsignale zu reagieren. Der so genannte Risikoausschuss der Organisation verfügt über weit reichende Einblicks- und Einflussrechte gegenüber den Mitgliedsinstituten, die in der jüngeren Vergangenheit - wie die Branche insgesamt - teilweise zu beträchtlichen Abschreibungen im Firmenkreditgeschäft und im Wertpapierhandel gezwungen waren.

Seriöse Aussagen über die Entwicklung der Risikovorsorge im laufenden Jahr lassen sich laut Böhmer nicht machen. Er könne wegen der bundesweit erwarteten Unternehmensinsolvenzen in Rekordhöhe "keine Entwarnung" geben.

Um den Familiensinn in der Sparkassenorganisation von Hessen und Thüringen zu unterstreichen, zahlen die 51 Sparkassen und die Landesbank künftig in einen Reservefonds ein, der zusätzlich zum Notgroschen auf nationaler Ebene entrichtet wird. Innerhalb von zehn Jahren soll der Fonds immerhin über 500 Millionen Euro verfügen. Die Ampel des Risikotransparenzsystems dient als Instrument für einen Bonus oder Malus bei der Beitragsbemessung.

Die Institute rücken nicht nur zusammen, weil die wirtschaftliche Lage es erfordert. Die Gruppe erhofft sich davon auch bessere Noten der Ratingagenturen, was bares Geld wert ist: Musterknaben können sich in der Finanzwelt günstiger refinanzieren - und, wo einer für den anderen gerade steht, sinken die Risiken. Daher steht auch der Aufbau eines Kreditpools bis Jahresende auf der Agenda des Verbundes. Die Idee dahinter: Der Abbau von Klumpenrisiken, etwa in Regionen mit einer sehr einseitigen Wirtschaftsstruktur.

Was das Zeugnis der Ratingagenturen angeht, ist Böhmer optimistisch. Der Verbandsmanager hofft auf die Note "AA-", das entspräche der Bewertung der Deutschen Bank.

Mit ihrem ersten Verbundabschluss - Bilanzsumme 234,1 Milliarden Euro, rund 32 000 Beschäftigte - präsentiert sich die Sparkassenorganisation als "der in vielen Bereichen dominierende Finanzdienstleister" in Hessen und Thüringen. Bei ihrer Premiere wies die Organisation für das Geschäftsjahr 2003 ein Betriebsergebnis vor Bewertung und Steuern in Höhe von 1,2 Milliarden Euro aus. Unterm Strich fällt das Ergebnis jedoch deutlich geringer aus. Alleine die Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Wertpapiere und die Rückstellungen im Kreditgeschäft schlagen netto mit 623 Millionen Euro zu Buche.

Die angeschlagene Fraspa, die auf der Einkaufsliste der verbandseigenen Landesbank (Helaba) steht, fällt dort enorm ins Gewicht. Immerhin hat die lange Zeit größte Sparkasse Hessens in den vergangenen Jahren nach verlustreichen Geschäften ihre stillen Reserven "weitestgehend verbraucht" und ist im Verbund "in die Rolle des Risikoträgers gerückt" (Böhmer).

Da es sich bei der Fraspa um eine freie Sparkasse handele, habe der Verband keinen direkten Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen können, bedauert Böhmer. Er habe aber "relativ früh" mit Vertretern beider Träger - Stadt Frankfurt und Polytechnische Gesellschaft - über die Probleme "intensiv gesprochen". Mindestens einen der Träger habe er bereits 2001 unterrichtet, den anderen spätestens 2002. Der Verwaltungsrat der Sparkasse sei über den Prüfer des Verbandes informiert gewesen, der dort turnusgemäß einmal pro Jahr seinen Schlussbericht vortrage: "Da wurde kein Blatt vor den Mund genommen."

Den Trägern der Fraspa stellte Böhmer ein faires Kaufangebot in Aussicht ("keiner will hier dem anderen ein Schnäppchen abjagen"). Er deutete an, dass ein Trägerwechsel auch zur Neuordnung der Sparkassenlandschaft in der Rhein-Main-Region führen könnte. Bislang hatte der Verband sich dagegen gewehrt, dass eine öffentliche Sparkasse mit der Fraspa fusioniert und irgendwann womöglich aus der Finanzgruppe ausscheidet.

Nach einer Übernahme durch die Helaba hätte der Verband keine Bedenken mehr, "wenn die Fraspa mit der Sparkasse Offenbach und/oder der Taunus-Sparkasse Liebeserklärungen austauschen würde".

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Dokument erstellt am 06.09.2004 um 18:06:21 Uhr
Erscheinungsdatum 07.09.2004