Landesbanken und Sparkassen bestätigen Verhandlungen / Scharfer Wettbewerb bereitet der S-Gruppe Sorgen
VON BERND SALZMANN
Die Sparkassen-Familie rückt enger zusammen. In Baden-Württemberg vertieft die Landesbank ihre Zusammenarbeit mit den Sparkassen und fühlt beim Schwesterinstitut in Mainz wegen einer Fusion vor. Im Rheinland entsteht womöglich Deutschlands größte Sparkasse.
FRANKFURT A.M. - 1. DEZEMBER - Bei immer schärferem Wettbewerb und zunehmenden Sorgen vor dem Wegfall der Staatsgarantien im Juli 2005 wächst in der Sparkassen-Organisation der Familiensinn. Die Landesbanken Baden-Württemberg (LBBW) und Rheinland-Pfalz (LRP) bestätigen Verhandlungen über eine Fusion. Baden-Württembergs Sparkassenpräsident Heinrich Haasis spricht von "ersten, vorfühlenden Gesprächen". Bei einem Zusammenschluss zu einer Südwest LB entstünde Deutschlands fünfgrößte Bank mit einer Bilanzsumme von rund 390 Milliarden Euro.
Die LBBW ist bereits mit 12,5 Prozent an der LRP beteiligt. Größte Anteilseignei sind der regionale Sparkassenverband (50 Prozent) und die West LB (37,5 Prozent) Daher wird es nicht zuletzt von den krisengebeutelten Düsseldorfern abhängen, ob die Fusion zustande kommt. Die Mainzer, eine der kleineren Landesbanken, suchen schon seit geraumer Zeit nach einem starken Partner. Vor Monaten sorgten bereits die zwischenzeitlich gescheiterten Gespräche über einen Zusammenschluss mit der Deka-Bank und der Helaba für Aufsehen. Der LRP droht mit dem Wegfall der Staatsgarantie im Juli 2005 eine Herabstufung ihres Ratings, was die Refinanzierung ihres Kreditgeschäfts deutlich verteuern und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit einschränken würde.
Perfekt ist im Ländle bereits der Rahmenvertrag über eine
engere Zusammenarbeit von LBBW und 57 Sparkassen. Die Rede ist von einem
"flexiblen Leistungsverbund" auf acht teilweise bereits gemeinsam beackerten
Geschäftsfeldern. Neu kommen das Kreditrisiko- und das Bilanzstrukturmanagement
hinzu. Der Leistungsverbund wird als flexibel bezeichnet, weil der Rahmenvertrag
die Autonomie der Sparkassen wahre. Die LBBW biete "Leistungsbausteine"
an, der Bezug sei freiwillig. Die Beteiligten versprechen sich von diesem
Modell insgesamt einen finanziellen Vorteil "von mittelfristig rund 90
Millionen Büro" pro Jahr. Fusionsfieber auch im Rheinland: Die Stadtsparkasse
Köln, die zweitgrößte hier zu Lande, spricht mit den Schwesterinstituten
in Düsseldorf, bundesweit die Nummer sieben, und Bonn "über alle
Möglichkeiten" einer Zusammenarbeit, etwa bei der Verwaltung von Kontodaten
und der Kreditabwicklung. "Hierbei könnte am Ende des Weges auch eine
Fusion stehen", sagt ihr Sprecher Michael Cremer. In Köln ist die
Konkurrenz besonders ausgeprägt: Die Stadtsparkasse steht dort nicht
nur mit Genossenschafts- und Privatbanken im Wettbewerb, sondern auch mit
der Kreissparkasse, der viertgrößten hier zu Lande.