Präsident der Polytechnischen Gesellschaft lenkt ein / Auch zweites Gutachten empfiehlt Umwandlung in Aktiengesellschaft
Der Kampf um die Zukunft der angeschlagenen Frankfurter Sparkasse tritt in die entscheidende Phase. Am 10. Dezember sollen außerordentliche Mitgliederversammlungen von Wirtschaftlichem Verein und Polytechnischer Gesellschaft den Weg frei machen für Verhandlungen mit einem Partner.
VON CLAUS-JÜRGEN GÖPFERT
Frankfurt · 5. Dezember · Bis Februar soll, wenn die Versammlungen zustimmen, dann "exklusiv" nur mit der Landesbank Hessen-Thüringen über einen wirtschaftlichen Verbund verhandelt werden. Auf diesen Weg zur Rettung der traditionsreichen Sparkasse haben sich jetzt in langen, vertraulichen Gesprächen Repräsentanten der beiden Anteilseigner Polytechnische Gesellschaft (60 Prozent) und Stadt Frankfurt (40 Prozent) geeinigt. Die Zeit drängt. Denn die wirtschaftliche Situation des traditionsreichen Unternehmens, bei dem jeder zweite Frankfurter Haushalt ein Konto hat, gilt nach wie vor als angespannt.
Schon die Berater von Goldman Sachs hatten im Juli in einem Gutachten klar dargelegt: Alleine, ohne Partner, wird die Sparkasse künftig nicht mehr bestehen können - ihre Finanzkraft, so die Fachleute, sei dafür zu sehr aufgezehrt. Goldman Sachs hatte schon den Verbund mit der Landesbank Hessen-Thüringen empfohlen. Mittlerweile liegt eine zweite Expertise vor, die dieses Resultat bestätigt: Der Weg des "Stand alone" ist als "Hochrisikokurs" nicht machbar. Dazu sollen die wirtschaftlichen Reserven der Sparkasse zu sehr geschrumpft sein.
Trotz dieser beiden übereinstimmenden fachlichen Urteile gilt es als völlig offen, ob die Mitglieder der Polytechnischen Gesellschaft am kommenden Freitag der Aufnahme von Verhandlungen mit der Landesbank Hessen-Thüringen zustimmen. Viele alte Polytechniker fürchten, dass dem Traditions-Verein die Kontrolle über die Sparkasse völlig entgleitet, wenn erst einmal ein Partner mitbestimmt.
Ein Rechtsgutachten, das als drittes Papier jetzt vorliegt, besagt: Es braucht eine große Mehrheit innerhalb der Polytechnischen Gesellschaft, um eine spätere Verbindung der Sparkasse mit der Landesbank unanfechtbar zu machen. Die Juristen weisen auf das Risiko hin, dass einzelne Mitglieder der Polytechnischen gegen diesen Kurs sogar klagen könnten.
Der Präsident der Polytechnischen Gesellschaft, Klaus Ring, der lange als Skeptiker eines wirtschaftlichen Verbundes galt und an die Überlebenschancen der Sparkasse ohne Partner glaubte, soll mittlerweile von dem zweiten Gutachten überzeugt worden sein. Wenn die Mitgliederversammlung zustimmt, soll Ring gemeinsam mit dem Verwaltungsratsvorsitzenden Paul Wieandt für die Polytechnische der Verhandlungskommission angehören. Die Stadt als Anteilseigner werden Kämmerer Horst Hemzal und der stellvertretende Leiter der Stadtkämmerei, Hans-Peter Ruppert, repräsentieren.
Hemzal unterstützt den Weg, Verhandlungen mit der Landesbank Hessen-Thüringen aufzunehmen. Das ursprüngliche Ziel des Kämmerers, den Verkauf der Sparkasse an eine private Bank, konnte er sowohl innerhalb des "Römer-Bündnisses" von CDU, SPD, Grünen und FDP wie auch gegenüber der Polytechnischen Gesellschaft nicht durchsetzen.
Beide Gutachten empfehlen, die Sparkasse als ersten Schritt für eine Rettung zunächst in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Auch mit dieser Rechtsformänderung werden sich die beiden außerordentlichen Versammlungen am 10. Dezember beschäftigen. Dazu legt der Vorstand verschiedene Modelle vor. Außerdem wird der Vorstandssprecher der Sparkasse, Harald Quensen, über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens berichten.
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Dokument erstellt am 06.12.2004 um 00:12:42 Uhr
Erscheinungsdatum 06.12.2004 | Ausgabe: H | Seite: 14