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Das Fraspa-Schiff hat noch nicht einmal Wasser unterm Kiel

Verwaltungsrat der Sparkasse soll Rechtsform-Änderung vorbereiten / Mitgliederversammlung tagt mehrere Stunden / Polytechniker kritisieren Führung

VON THOMAS STROHM (FRANKFURT A.M.)

Beratungen bis in den späten Abend (FR)

Wie unterschiedlich der Stand der Diskussion um die Zukunft der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) bei ihren Trägern ist, wird in diesen Tagen mehr als deutlich. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) verteilt schon das Fell des Fraspa-Erlöses und zeigt sich als Anhängerin einer politisch nicht durchsetzbaren Versteigerung, an der Privatbanken teilnehmen könnten. Bei der Mitgliederversammlung des wirtschaftlichen Vereins wird am Freitagabend indes deutlich, dass die Polytechniker noch längst nicht so weit sind. Das Treffen ist die erste Zusammenkunft nach der grundsätzlichen Einigung auf die Übernahme durch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) beim Spitzengespräch Mitte Juli in Wiesbaden.

"Lebhaft" - so umschreibt die Sparkasse offiziell die Diskussion in der Mitgliederversammlung über das Gutachten von Goldman Sachs, das der Fraspa die Zukunftsfähigkeit als eigenständiges Haus abspricht. Teilnehmer vermitteln einen Eindruck, was mit "lebhaft" gemeint ist: Heftigen Beifall gibt es für Kritiker des Verwaltungsrats, dem Abhängigkeit von Landesregierung und Bankenaufsicht vorgeworfen wird; das Gutachten behandele einseitig die Helaba-Lösung, heißt es. Eine solche Verbindung wird seit längerem von Wiesbaden aus forciert. Die Bankenaufsicht drängt ebenfalls zur Partnersuche. Verwaltungsratschef Paul Wieandt kontert, der Verein selbst wolle die Fraspa im Sparkassenlager verankert sehen - der Weg sei damit vorgezeichnet.

Ebenfalls angegangen wird der seit Monatsanfang amtierende Vorstandschef Harald Quensen. Er muss sich dafür rechtfertigen, dass er nicht in die Polytechnische Gesellschaft eintreten will. Im Vorstand, zugleich Mitglied des Trägers Polytechnische und damit im obersten Organ wirtschaftlicher Verein - das scheint Quensen eine zu große Vermengung von Unternehmensführung und deren Kontrolle. Was ihm außerhalb Beifall einbringen mag, nehmen die Mitglieder kritisch auf.

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Wirtschaftlicher Verein

Die Rechtsform der Fraspa ist die eines wirtschaftlichen Vereins, oberstes Organ ist die Mitgliederversammlung. Die 1822 gegründete Fraspa hat somit privatrechtlichen Status, obwohl sie eine Sparkasse ist.

Per Vertrag ist sie aber dem Sparkassenverband der öffentlich-rechtlichen Häuser angeschlossen. Die Mitglieder des wirtschaftlichen Vereins sind seit Fusion der kommunalen Stadtsparkasse und der privaten Sparkasse von 1822 im Jahr 1989 die Stadt Frankfurt sowie die Mitglieder der Polytechnischen Gesellschaft.

In diesen Bürgerverein werden neue Mitglieder nur auf Vorschlag aus den Reihen der etwa 320 Polytechniker aufgenommen. Für einen Verkauf von Fraspa-Anteilen müsste zuerst die Rechtsform der Sparkasse wohl in eine Aktiengesellschaft geändert werden. Die Mitgliedschaft in einem Verein kann schließlich nicht veräußert werden. ohm
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Ein Polytechniker sagt gar mit Hinweis auf Quensens Geschäftsstrategie ("Wir sind keine Elefantenjäger, sondern Ameisensammler"): Es gebe auch andere kleine Tiere, etwa solche, die sinkende Schiffe verlassen.

Vor der "lebhaften" Diskussion eine lange Präsentation der Fakten. Zwei der wichtigsten: Seit Ende 1998 ein Vermögensverlust von mehr als 600 Millionen Euro, verglichen mit dem Sparkassen-Durchschnitt 170 Millionen Euro weniger Eigenkapital. Der Folgerung von Vorstand, Verwaltungsrat und Führung der Polytechnischen Gesellschaft, dass die Fraspa einen Partner brauche, müssten sich die Polytechniker "ganz überwiegend" anschließen, meint ihr Präsident Klaus Ring. "Das kann nicht mit knappen Mehrheiten gehen." Dies steht für die nächste Versammlung an, für die der Verwaltungsrat Beschlussvorschläge für die Rechtsform-Änderung vorbereiten soll, die als Voraussetzung für einen Anteilsverkauf gilt. Erst danach soll - wohl in einer weiteren Versammlung - über den Partner entschieden werden. Oder, wie Ring es ausdrückt: "Erst müssen wir unter das Schiff Wasser bringen und dann entscheiden, mit wem es in einen sicheren Hafen läuft."

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Copyright © Frankfurter Rundschau online 2004
Dokument erstellt am 12.09.2004 um 17:50:01 Uhr
Erscheinungsdatum 13.09.2004