Rhiel weist Spekulationen zurück / Fraspa-Mitgliederversammlung
Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) tritt Berichten entgegen, er arbeite an der Bildung einer "Rhein-Main-Bank" als zweitem Schritt nach der Übernahme der Fraspa durch die Helaba. Am Freitagabend beriet der wirtschaftliche Verein der Fraspa über die Zukunft der Sparkasse.
VON THOMAS STROHM
Frankfurt a.M. · 10. September · "Sehr verwundert" gibt sich Rhiel nach Lektüre der Börsen-Zeitung. Das Blatt berichtet, die Sparkassen-Finanzgruppe sowie die Landesregierung planten nach Übernahme der angeschlagenen Frankfurter Sparkasse (Fraspa) durch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) weitere Sparkassen aus dem Rhein-Main-Gebiet mit einer künftigen Helaba-Tochter Fraspa zu fusionieren. Genannt werden die Nassauische, die Offenbacher sowie die Taunus-Sparkasse. Gespräche mit den Häusern seien "unterschiedlich weit fortgeschritten", schreibt die Zeitung. Rhiel weist dies weit von sich: Die Aussagen seien unzutreffend und entbehrten jeder Grundlage. "Es gibt keine solchen Pläne der Landesregierung." Der Weg werde genau so weitergegangen, wie er in Wiesbaden vereinbart worden sei, betont er. Mitte Juli hatten sich die Beteiligten in einem Spitzengespräch auf eine Übernahme der Fraspa durch die Helaba geeinigt. Formelle Beschlüsse stehen allerdings noch aus.
Sparkassenverband dementiert
Auch beim Sparkassenverband heißt es, niemand "bastele" an einer "Rhein-Main-Bank". Dessen Geschäftsführender Präsident Gregor Böhmer hatte zuvor aber gesagt, er werde Fusionen nicht widersprechen, wenn die Träger der Institute dies wollten - nachdem die Fraspa unumkehrbar in den Verband eingebunden sei; momentan ist die privatrechtlich aufgestellte Fraspa nur per Vertrag angeschlossen. Als Tochter der Helaba wäre dies erfüllt. Gegen Fusionspläne der Sparkasse Offenbach und der Fraspa vor einigen Jahren war der Verband eingeschritten. Die Offenbacher sind nach wie vor auf Partnersuche. Ganz anders die Lage im Taunus, wo man den eigenständigen Weg weitergehen will.
Am Freitagabend sollte der wirtschaftliche Verein der Fraspa zusammenkommen, in dem die Mitglieder der Polytechnischen Gesellschaft und die Stadt Frankfurt vertreten sind. Neben der Vorlage des Geschäftsberichts 2003 stand aber nur Information über die Gutachten zur Zukunft der Fraspa auf der Tagesordnung. Verwaltungsratschef Paul Wieandt hatte schon in der Einladung den Charakter der Zusammenkunft klar gestellt: Es gehe ausschließlich darum, über die wirtschaftliche Lage zu informieren, den sich ergebenden Handlungsrahmen darzulegen und die Rahmenbedingungen bei einer Änderung der Rechtsform zu schildern. Vertreter der Investmentbank Goldman Sachs und der Kanzlei Linklaters Oppenhoff & Rädler sollten die Teilnehmer informieren. Fazit der Gutachten: Die Fraspa brauche mittelfristig einen strategischen Partner, weil sie alleine nicht zukunftsfähig sei. Die Veranstaltung dauerte bei Redaktionsschluss noch an.
Polytechniker schwer einzuschätzen
Während sich die im Römer regierenden Parteien schon für einen Verkauf an die Helaba ausgesprochen haben, ist die Lage bei den mehr als 300 Polytechnikern nur schwer einschätzbar. Beobachter sehen zwei Lager, die trotz gegensätzlicher Auffassungen die Helaba-Lösung zu Fall bringen könnten: Auf der einen Seite jene, die sagen, die Fraspa werde bewusst schlecht geredet, könne aber alleine bleiben. Auf der anderen Seite stehen jene, die meinen, wenn schon verkaufen, dann richtig. So hat sich Privatbankier Friedrich von Metzler für eine Auktion ausgesprochen.
Auch Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hat sich in dieser Woche als Anhängerin einer Versteigerung, bei der Privatbanken bieten könnten, gezeigt - dies aber zugleich als politisch im Viererbündnis nicht durchsetzbar bezeichnet. Gleichwohl stünden Interessenten Schlange, auch die Frankfurter Volksbank gehöre dazu. Dort bestätigt man, dass es Gespräche gegeben habe, will sich aber mit Hinweis auf das vereinbarte Stillschweigen nicht näher äußern. Roth bekennt sich zur Wiesbadener Lösung, signalisiert aber, dass die Stadt ihre Fraspa-Anteile nicht zu jedem Preis abgeben wird.
[ document info ]
Copyright © Frankfurter Rundschau online 2004
Dokument erstellt am 10.09.2004 um 17:44:35 Uhr
Erscheinungsdatum 11.09.2004