EUROPEAN BANKING CONGRESS
Sparkassen mit privaten Eignern erwünscht
Frankfurt a. M. · 21. November · rtr · Die Sparkassen sollten nach Ansicht von Bundesbankpräsident Ernst Welteke nicht länger nur in öffentlichem Besitz sein, sondern sich auch privaten Anteilseignern öffnen. Eine Konsolidierung über die Grenzen von Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken hinweg sei in Deutschland anders als in anderen europäischen Ländern noch die Ausnahme. "Ein Öffnen der Sparkassen mit ihren fast ausschließlichen öffentlichen Eignern hin zu einer differenzierten Besitzstruktur würde mit der neuen Rolle des Staates übereinstimmen", sagte er beim European Banking Congress in Frankfurt.
Insgesamt sei hier zu Lande ein Paradigmenwechsel hin zu einem Rückzug des Staates zu Gunsten stärkerer privater Verantwortung im Gange. "Zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor muss ein neues Gleichgewicht hergestellt werden", sagte Welteke. Dies betreffe nicht nur den Sozialstaat.
Die Deutsche Bank und die Commerzbank sehen erst nach einer nachhaltigen Steigerung ihrer Ertragskraft wieder Spielraum für Zukäufe. Damit dämpften die Institute immer wieder aufkeimende Spekulationen an der Börse, wo die Investoren auf baldige Übernahmen wetten und zuletzt die Kurse in die Höhe getrieben hatten. "Mittelfristig sind akquisitorische Schritte ausgeschlossen. Zunächst müssen wir die Erträge steigern", sagte der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Er deutete an, darunter einen Zeitraum von drei bis vier Jahren zu verstehen. Auch für seinen Commerzbank-Kollegen Klaus-Peter Müller stehen größere Übernahmen zunächst nicht auf der Tagesordnung. Vielmehr sei sein Institut nach den milliardenschweren Abschreibungen auf Beteiligungen im dritten Quartal selbst ein attraktiveres Übernahmeziel geworden. Ackermann mahnte zudem eine stärkere europäische Integration an. "Erst muss jedes Institut seine Hausaufgaben machen, aber wir brauchen auch eine stärkere Integration in Europa und gutes Wachstum", sagte er. Auf dem Weg dahin würden die Banken die Politik unterstützen. "Wir brauchen einen größeren europäischen Markt, um global konkurrieren zu können", ergänzte der Manager mit Blick auf die viel ertragsstärkeren US-Banken.
[ document info ]
Copyright © Frankfurter Rundschau online 2003
Dokument erstellt am 21.11.2003 um 18:08:08 Uhr
Erscheinungsdatum 22.11.2003