Oberhessische Zeitung (Alsfeld) vom 18.03.2004
Sparkassen für Wettbewerb gerüstet
Verband: Keine wirtschaftliche Notwendigkeit für Verkäufe
FRANKFURT (otr). Mit dem politischen Aus für den geplanten Verkauf der Sparkasse Stralsund an eine private Bank ist das Thema nach Ansicht von Dietrich Hoppenstedt, Präsident des Sparkassen-Verbandes DSGV, abgeschlossen. Es könne zwar sein, dass die Großbanken an anderer Stelle neue Versuche starten würden. „Dies wird aber nicht von Erfolg gekrönt sein", sagte Hoppenstedt.
Nach Ansicht von Hoppenstedt brauchen die Sparkassen die Unterstützung auch gar nicht. 2003 erreichten die Sparkassen eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 11,2 Prozent.
Zum Vergleich: Bei der Deutschen Bank waren es 4,7 Prozent. Vor kurzem war der Oberbürgermeister von Stralsund vor allem am Land Mecklenburg-Vorpommern mit dem Versuch gescheitert, die Sparkasse zu verkaufen. Auch knapp 80 Prozent der Bürger hatten sich dagegen ausgesprochen. Nach Ansicht von Hoppenstedt gibt es keine wirtschaftliche Notwendigkeit für Verkäufe von Sparkassen. Auch von Fusionen über die Grenzen von Sparkassen, Volksbanken und privaten Banken hinweg, hält der DSGV-Präsident nichts. „Es würde den Wettbewerb vermindern." Die Großbanken sollten ihre Attacken auf die Sparkassen einstellen und sich „endlich wieder auf den Wettbewerb konzentrieren."
Da brauchen sich die derzeit 489 Sparkassen - aufgrund von Zusammenschlüssen 35 weniger als Ende 2002 - nach Ansicht ihres Verbandspräsidenten nicht zu verstecken. Der Gewinn vor Steuern von Sparkassen und Landesbanken kletterte 2003 um fast 140 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. An den Fiskus wurden davon 2,9 Milliarden Euro überwiesen. Die Rendite soll weiter von 11,2 auf 15 Prozent klettern. Dabei wird sich die Zahl der Sparkassen nach Angaben von Hoppenstedt pro Jahr durch Fusionen um etwa 25 mindern, auch die Zahl der Beschäftigten wird sinken. Ende 2003 waren es noch rund 272 000.
Laut Hoppenstedt hätten Sparkassen und Landesbanken 2003 Unternehmenskredite
über 92 Milliarden Euro und damit 15 Prozent mehr zugesagt als 2002. „Es
waren Sparkassen und Landesbanken, die in Deutschland eine Kreditklemme
verhindert haben", betonte der Verbands-präsident.