Der von RWE angebotene Kaufpreis beträgt 4,6 Milliarden Dollar (umgerechnet 9,7 Milliarden Mark), der teils über die Auflegung einer Anleihe finanziert werden soll. Details über deren Konditionen und den Zeitpunkt der Begebung möchte Finanzchef Klaus Sturnay noch nicht nennen. Allerdings bekräftigt er, dass RWE auch nach den Terroranschlägen in der vergangenen Woche Vertrauen in den US-Markt habe. "Das ist ein großer Schritt vorwärts für unser Unternehmen." Dadurch würde die notwendige kritische Masse in den USA erreicht, die noch durch weitere Übernahmen abgesichert werden solle.
Vor ziemlich genau einem Jahr hatte RWE mit der Akquisition des britischen Versorgers Thames Water, der nahezu 14 Milliarden Mark kostete, den ersten großen Schritt auf diesem Geschäftsfeld getan. Zwischenzeitlich kaufte Thames Water mit E-Town, der ebenfalls in New Jersey residiert, den siebtgrößten privaten Wasseranbieter in den USA.
Durch die Übernahme von American Water Works erhöht sich einschließlich zweier, derzeit laufender Neuerwerbungen der künftigen Tochter die Zahl der in 44 Ländern versorgten Kunden von 43 Millionen auf 56 Millionen. Damit wird die derzeit bereits besetzte dritte Position weltweit untermauert. Größer sind lediglich die französischen Riesen Vivendi und Suez Lyonnaise des Eaux, die rund um den Globus jeweils an die 100 Millionen Menschen mit dem kostbaren Nass bedienen.
Dass RWE wie geplant in den USA zum Zuge kommt, ist so gut wie sicher, wenngleich die Genehmigungen der Kartell- und Regulierungsbehörden noch ausstehen. Denn nicht nur die Geschäftsführung von American Water Works, sondern auch knapp ein Viertel der Aktionäre haben der Transaktion bereits zugestimmt. Die Essener bieten je Titel einen Preis von 46 Dollar und damit eine Prämie von fast 37 Prozent gemessen am Aktienkurs-Durchschnitt der vergangenen 30 Tage. Der Präsident und Vorstandschef von American Water Works, James Barr, rühmt das Geschäft als "eine überzeugende Kombination von starken Unternehmen, aus der eine neue schlagkräftige Kraft im globalen Wassermarkt entstehen wird".
Ähnlich äußert sich Bill Alexander, der Chef von Thames Water, der Führungsgesellschaft für das RWE-Wassergeschäft. Seinen Worten zufolge ergänzten sich beide Unternehmen "hervorragend" und böten "eine optimale Plattform", um die entsprechenden Aktivitäten in den USA und in Südamerika weiterzuentwickeln. RWE-Vorstandsvorsitzender Dietmar Kuhnt lässt sich mit den Worten zitieren: "Wir sind sehr stolz auf die Vereinbarung mit American Water Works. Das Unternehmen genießt einen hervorragenden Ruf im US-amerikanischen Wasser- und Finanzmarkt. Wir haben die Chance, ein erstklassig geführtes Unternehmen zu erwerben und mit einem Schlag die Nummer 1 auf dem US-Wassermarkt zu werden, dem größten und dynamischsten der Welt."
Obwohl der Coup die Verschuldung des RWE-Konzerns laut Sturany auf rund acht Milliarden Euro hieven wird, rechnet er bereits im zweiten Jahr nach der Konsolidierung mit einer über den Kapitalkosten liegenden Rendite. Den RWE-Gewinn je Aktie (vor Goodwill-Abschreibung) soll American Water Works bereits im ersten Jahr beflügeln.
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Dokument erstellt am 17.09.2001 um 21:27:24 Uhr
Erscheinungsdatum 18.09.2001