Zurueck zur Vorseite
Zurueck zur Homepage
Gegenattacke im Bankenlager

Öffentliche Institute reagieren scharf auf Rufe nach Privatisierung

Die deutschen Landes- und Förderbanken gehen in die Offensive: Sie begegnen den Privatisierungsforderungen und der Kritik der Konkurrenten im Gegenzug mit Vorwürfen an die Privatbanken.

VON DETLEF FECHTNER

Frankfurt a. M. · 19. April · Von "Possen" spricht der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) und von einer Diskussion, der "in vielen Fällen Sachlichkeit und ausreichender Abstand fehlt" - die Lobby der Kreditinstitute, die sich ganz oder mehrheitlich in öffentlicher Trägerschaft befinden, ist erkennbar mächtig vergrätzt.

Immer lauter üben Vertreter des privaten Kreditgewerbes und Politiker Kritik an der starken Marktposition von Sparkassen und Landesbanken und am dreigliedrigen Bankensystem. Die privaten Institute klagen über Probleme, wegen der scharfen Konkurrenz durch öffentliche Häuser auskömmliche Erträge zu erwirtschaften, und warnen davor, dass auch deshalb Übernahmen deutscher Großbanken durch ausländische "Eroberer" drohten.

Der VÖB hält nun dagegen: Es gebe kein stichhaltiges Argument, warum etwa eine Übernahme der Deutschen Bank durch einen ausländischen Finanzkonzern verhindert werden könnte, indem man den Kauf von Sparkassen erlaube. Denn bei einem solchen Bieterverfahren, wie es in Stralsund geplant (und später gestoppt) wurde, kämen vermutlich die hiesigen Großbanken gar nicht zum Zuge, sondern ausländische Finanzkonzerne. In anderen Worten: Die Idee, selbst an Größe und Marktanteil zu gewinnen, um sich gegen feindliche Offerten zu schützen, liefe also ins Leere.

Der VÖB bezweifelt zudem, dass Privat- und genossenschaftliche Banken die Versorgungslücken beim Wegfall von Sparkassen und Landesbanken schließen könnten. Der Verband betont, dass gerade seine Mitglieder den Kreditbedarf des Mittelstands deckten - "auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten". Das Beispiel Großbritannien veranschauliche die Risiken von Banksystemen mit weniger starkem Anbieterwettbewerb. Das dortige Oligopol bedeute aus Sicht der Kunden "deutlich höhere Preise bei gleichzeitig schlechteren Bankdienstleistungen".

[ document info ]
Copyright © Frankfurter Rundschau online 2004
Dokument erstellt am 19.04.2004 um 17:52:58 Uhr
Erscheinungsdatum 20.04.2004