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KOMMENTAR: LAURENZ MEYER & CO

Stromlinien

VON STEPHAN HEBEL

Es stürmt ja heutzutage so einiges auf einen ein, und da fällt es schwer, sich an alles zu erinnern. Dass es Politikern genauso geht, darf man ihnen nicht verübeln, sie sind auch nur Menschen wie Sie und ich und Frau Müller und Herr Meyer.

Meyer? Gutes Stichwort. Der Herr Meyer, Laurenz, erinnert sich dumpf, dass er 2001 von seinem Arbeitgeber, dem Stromkonzern RWE, "irgendeine Ausschüttung" erhalten hat. Nun ruht zwar der Vertrag, weil Herr Meyer als CDU-Generalsekretär und Abgeordneter ausgelastet ist. Aber "irgendeine Ausschüttung" kann einem auch so passieren. Und dass außer Geld im Hause Meyer auch Strom fließt, wird niemand übel nehmen, auch wenn der ein bisschen verbilligt ist.

So ähnlich scheint die Gedankenwelt von Leuten wie Meyer auszusehen, die bei jeder Sozialleistung vor "Mitnahmeeffekten" warnen, aber selbst am Mitnehmen nichts auszusetzen finden. Und dass selbst ein Sozialpolitiker wie der zurückgetretene Hermann-Josef Arentz geradezu bewusstlos kassierte, zeigt: Sie haben jeden Kontakt zur wirklichen Welt verloren, die sie allerdings mit ihren Beschlüssen sehr real verändern - siehe Hartz IV und Co. und die noch härteren Vorschläge, die Leute wie Meyer machen.

Die Rückkehrmöglichkeit "in die Wirtschaft", heißt es nun, garantiere doch gerade die Unabhängigkeit des Politikers. Da wäre etwas dran, wenn sie erstens transparent wäre - im Bundestags-Handbuch steht von Meyers "ruhendem" Vertrag kein Wort - und wenn es zweitens nicht immer nur um Führungspositionen ginge. Meyer mag keine Marionette des Stromkonzerns sein, stromlinienförmig ist er auch so. Es geht nicht um Korruption. Es geht um Zynismus im Amt.

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Dokument erstellt am 12.12.2004 um 17:08:13 Uhr
Erscheinungsdatum 13.12.2004