Träger einigen sich bei Spitzentreffen in Wiesbadener Staatskanzlei / Stadt und Polytechniker behalten kleine Anteile
Die Landesbank Hessen-Thüringen übernimmt die Frankfurter Sparkasse. Diese Entscheidung fiel gestern bei einem Spitzentreffen in der Wiesbadener Staatskanzlei. Die beiden jetzigen Träger werden nur kleine Anteile behalten. Die Fraspa soll aber weiter eigenständig am Markt agieren können.
VON THOMAS STROHM
Frankfurt a.M. · 21. Juli · Schneller als erwartet, ist - vorbehaltlich der Zustimmung der Gremien - die Entscheidung über die Zukunft der Fraspa gefallen. Damit hat sich die Landesregierung durchgesetzt, die seit dem vergangenen Jahr eine strategische Verbindung der beiden Institute der Sparkassen-Gruppe am Finanzplatz anstrebt. Nun soll die Fraspa eine Tochter der Helaba werden - wie es Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) forciert hat, nachdem die zuerst favorisierte Holding in der Sparkassen-Organisation nicht durchsetzbar war.
Ministerpräsident Roland Koch (CDU) scharte gestern für eine mehrstündige Sitzung die entscheidenden Leute in der Wiesbadener Staatskanzlei um sich. An der "Elefantenrunde" haben neben dem Regierungschef und Rhiel unter anderem die Vertreter der Träger der beiden Institute teilgenommen. Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth und Kämmerer Horst Hemzal (beide CDU) sowie der Präsident der Polytechnischen Gesellschaft, Klaus Ring, für die Fraspa; Sparkassenverbandspräsident Gregor Böhmer, Koch und Thüringens Finanzministerin Birgit Dietzel (CDU) für die Helaba-Eigner. Außer Fraspa-Verwaltungsratschef Paul Wieandt und Helaba-Chef Günther Merl war auch noch ein Vertreter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) anwesend. Diese soll intern ebenso wie die Bundesbank einen weiteren Alleingang der Fraspa als zu risikoreich bezeichnet haben.
Zu diesem Schluss kommt auch Goldman Sachs in einem Gutachten, das erst am Dienstagabend den Verwaltungsratsmitgliedern der Sparkasse vorgestellt worden war. Die Investmentbanker empfahlen - ganz im Sinne der Landesregierung - den Verkauf an die Helaba, weil sie die Fraspa alleine nicht für überlebensfähig halten.
Im Hintergrund die Fäden zu ziehen - das wird Koch bei der Neuordnung der Sparkassenlandschaft am für das Land und die Stadt so wichtigen Finanzplatz Frankfurt schon lange nachgesagt. So soll er auch dafür gesorgt haben, dass Sanierer Wieandt den Vorsitz des Verwaltungsrats übernimmt - und der ist zurzeit unbestritten der starke Mann bei der Sparkasse, der alle Stränge in der Hand zu halten scheint.
Während man bei den Fraspa-Trägern, Stadt Frankfurt derzeit noch zu 40 und Polytechnische Gesellschaft zu 60 Prozent, in ungewohnt zurückhaltender Weise zunächst noch davon sprach, die Präsentation der Investmentbanker auf sich wirken lassen zu wollen, in den jeweils eigenen Reihen zu diskutieren und im Verwaltungsrat erst nach der Sommerpause wieder zu beraten, wurden die Ergebnisse der Studie schon in die Öffentlichkeit lanciert. Koch forcierte das Tempo abermals mit seiner Einladung nach Wiesbaden. Die Angst vor einer Diskussion, die sich über den Sommer hinzieht, und dem Finanzplatz weiteren Schaden zufügen hätte können, mag dabei eine Rolle gespielt haben. Als Sieger darf sich neben Koch jedoch vor allem auch Rhiel sehen.
Dass die Fraspa in ihrer augenblicklichen Verfassung ein gleichberechtigter Partner auf Augenhöhe sein könnte, mag sich vielleicht noch immer manch ein Politiker im Römer oder auch einige der in Ehren ergrauten, verdienten Bürger der Polytechnischen Gesellschaft vorstellen können - ansonsten am Finanzplatz aber kaum jemand. Nur konsequent, dass die beiden Träger nur kleine Anteile behalten sollen.
Der Sparkassen- und Giroverband hat schon im April klar gemacht: Wenn er einsteigt, muss die Gruppe die Mehrheit übernehmen, also das Sagen bei der Fraspa haben. Die S-Finanzgruppe bindet damit die privatrechtlich organisierte Fraspa unumkehrbar in die öffentlich-rechtliche Sparkassenorganisation ein.
[ document info ]
Copyright © Frankfurter Rundschau online 2004
Dokument erstellt am 21.07.2004 um 18:20:06 Uhr
Erscheinungsdatum 22.07.2004
Dazu auch den
KOMMENTAR
Wegweiser
VON BERND SALZMANN
Jetzt soll es Schlag auf Schlag gehen. Kaum hatten die Gutachter von Goldman Sachs den Verwaltungsrat der Frankfurter Sparkasse mit der bitteren Wahrheit konfrontiert, die Fraspa sei im Alleingang auf mittlere Sicht nicht überlebensfähig und sollte verkauft werden, da trafen sich schon führende Repräsentanten der Träger des Kreditinstituts und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in der Wiesbadener Staatskanzlei und stellten die Weichen: für eine Veräußerung an den großen Nachbarn am Finanzplatz.
Ministerpräsident Roland Koch (CDU) will nichts anbrennen lassen in der Debatte über die Zukunft der Fraspa, die weit über die Stadt hinaus Bedeutung hat. Unter dem wirtschaftlichen Druck ist die Chance entstanden, die Sparkassen-Gruppe in der Rhein-Main-Region neu zu ordnen. Ein Hickhack wie in Stralsund, wo Politiker damit liebäugelten, die angeschlagene Sparkasse meistbietend an eine private Großbank zu verscherbeln, war und ist in Frankfurt nicht zu erwarten. Selbst die Gutachter der Investmentbank sehen für die Fraspa nur einen politisch durchsetzbaren Weg - und der führt direkt zur Helaba.
Tatsächlich wäre ein Zusammenschluss für beide von Vorteil: die abgemagerte Fraspa könnte mit Hilfe der Helaba wieder Gewicht gewinnen; die Landesbank würde ihre Chance auf bessere Bonitätsnoten steigern, wenn sie gegenüber Ratingagenturen auf Privatkundengeschäft verweisen könnte, das als relativ risikoarm gilt.
Beschlossene Sache ist der Verkauf allerdings noch nicht. Den Trägern der Fraspa - der Stadt Frankfurt, aber vor allem der Polytechnischen Gesellschaft - dürfte es nicht durchweg leicht fallen, die Eigenständigkeit preiszugeben, auch wenn die Marke "1822" mit Sicherheit erhalten bliebe.
Den Verkaufsgegnern wird aber kaum etwas anderes übrig bleiben, als am Ende über ihren Schatten zu springen. Eine Sparkasse, die ihre Aufgaben gegenüber dem Gemeinwohl nicht mehr erfüllen kann, weil eine zu dünne Kapitaldecke zum Krebsgang zwingt, hat ihre Vorzüge gegenüber den alleine am Gewinn orientierten Privatbanken eingebüßt.
[ document info ]
Copyright © Frankfurter Rundschau online 2004
Dokument erstellt am 21.07.2004 um 19:20:08 Uhr
Erscheinungsdatum 22.07.2004