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KOMMENTAR: GORLEBEN

Strapaziöse Angelegenheit

Von Vera Gaserow

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Gewiss. Noch sind die Gesetzespläne, mit denen Umweltminister Trittin die Suche nach einem Grab für deutschen Atommüll erneut starten will, nicht gescheitert. Aber die jetzt verordnete Warteschleife für seine Novelle gibt einen Vorgeschmack darauf, welches Konfliktpotenzial die rot-grüne Koalition im Umgang mit der strahlenden Last wittert. Zu heiß die Sache, zumindest vor Wahlen.

Dabei lauert das ungelöste Endlager-Problem seit Jahren wie ein Gespenst, vor dem die Politik beide Augen zukneift. Union und FDP hatten sich die Sache leicht gemacht. Wo der Finger auf der Landkarte einst den geringsten Widerstand versprach, wollte man die unheimliche Fracht versenken, die bloß keiner will.

Rot-Grün ging nochmals auf die Suche nach einem Standort - mit wissenschaftlich belastbaren Kriterien. Damit gerät die Koalition nun in einen Zangengriff. Auf der einen Seite droht die Atomwirtschaft, die glaubte, unter dem Deckmantel der Erkundung eines Endlagers in Gorleben bereits Fakten für ein solches Depot setzen zu können. Sie fürchtet jetzt, voreilig Milliarden vergraben zu haben. Auf der anderen Seite spielt eine große politische Koalition auf Zeit, um die Energiekonzerne möglichst über die nächste Bundestagswahl hinaus schadlos zu halten. Die zählen zwar nicht zu den Not leidenden Branchen, beanspruchen für sich aber eine Ausnahme von der Regel: Wer den Dreck verursacht, räumt ihn gefälligst auch weg.

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Dokument erstellt am 10.12.2004 um 16:37:15 Uhr
Erscheinungsdatum 11.12.2004