Frankfurter Sparkasse gilt im Alleingang als nicht zukunftsfähig / Landesbank Hessen-Thüringen Wunschkandidat
Bei der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) stehen einschneidende Veränderungen bevor. In einem Gutachten der Investmentbank Goldman Sachs für die Fraspa wird der Verkauf der Sparkasse an die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) empfohlen.
VON BERND SALZMANN
Frankfurt a.M. · 20. Juli · Hessens größte Stadt verfügt womöglich schon bald über keine eigenständige Sparkasse mehr. Goldman Sachs empfahl dem Kontrollgremium des krisengeschüttelten Kreditinstitus am Dienstagabend nach Informationen aus dem Umfeld der Fraspa die Veräußerung des traditionsreichen Geldhauses.
Nachdem die Sparkasse millionenschwere Verluste im Kreditgeschäft hinnehmen musste, ist das Institut offenbar am Ende seiner Finanzkraft angelangt. Die Gutachter von Goldman Sachs gehen nicht davon aus, dass das ohnehin schon nach unten korrigierte Renditeziel der Fraspa von knapp sechs Prozent bis zum Jahr 2006 erreicht werden kann.
Sie begründen das angeblich mit dem Hinweis auf die zuletzt deutlich geschrumpften Rücklagen der Sparkasse, für die nur noch risikoarme Geschäfte - mit entsprechend niedrigen Erträgen - möglich seien. Würden weitere Verluste auftreten, entstünde sofort Kapitalbedarf. "Die Sparkasse hat keinen Schuss mehr frei", schildert ein Insider die Lage.
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Chronik der Krise
• Die Konjunkturflaute sorgt für Einbußen im Kreditgeschäft. Vorstandssprecher
Klaus Wächter zieht sich früher als erwartet in den Ruhestand zurück; sein
Nachfolger Alexander Kolb kehrt dem Institut über Nacht den Rücken.
• Die Lage entpuppt sich als schwieriger als erwartet, die Bundesanstalt
für Finanzaufsicht (Bafin) prüft die Bücher.
• Paul Wieandt als Verwaltungsrats- und Harald Quensen als Vorstandschef
sollen die Fraspa auf Kurs bringen.
• Goldman Sachs empfiehlt den Verkauf der Sparkasse an die Landesbank
Hessen-Thüringen (Helaba). sal
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Goldman Sachs hält es daher offenbar für dringend geboten, die Sparkasse in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, das ist die Voraussetzung für einen Verkauf, und anschließend zu veräußern. Die Helaba gilt als geeigneter Kandidat, da sich führende Repräsentanten der Träger Stadt Frankfurt und Polytechnische Gesellschaft schon wiederholt gegen einen Verkauf an eine private Großbank ausgesprochen hatten. Die Fraspa zählt mit einer Bilanzsumme von 16 Milliarden Euro (Ende 2003) zu den Top Ten der deutschen Sparkassen. Goldman Sachs selbst hätte sonst die Versteigerung der Fraspa vorgeschlagen. Dies würde, da sind sich die Investmentbanker sicher, den maximal möglichen Verkaufserlös einbringen.
Bis Redaktionsschluss wurde gestern nicht bekannt, wie das Kontrollgremium mit Sanierer Paul Wieandt an der Spitze das Gutachten aufgenommen hat. Beobachter rechneten mit mehrstündigen Debatten.
Ungeachtet einer möglichen Empfehlung des Kontrollgremiums an die beiden Träger wäre ein Verkauf nach Ansicht von Fachleuten jedoch frühestens in sechs Monaten möglich. Schon das Procedere, die Sparkasse in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, würde mehrere Monate Zeit kosten. Hinzu kommt, dass es bei den Trägern Leute gibt, die grundsätzlich gegen einen Verkauf sind. Das ist vor allem in der Polytechnischen Gesellschaft, einem Verein verdienter Bürger, der Fall.
Anders als große private Geldhäuser - darunter Commerzbank und Hypo-Vereinsbank - bekundete die Helaba öffentlich bislang kein Kaufinteresse an der Fraspa. Die Offerte dürfte allerdings beim Nachbarn der Sparkasse im Frankfurter Bankenviertel mit großem Wohlwollen geprüft werden. In der Landesbank - die mehrheitlich dem Sparkassenverband Hessen-Thüringen gehört, die beiden Bundesländer halten Minderheitsbeteiligungen - überwiegt die Auffassung, dass auf dem Geschäftsfeld der Fraspa Geld zu verdienen ist. Bei der Sparkasse sind 600 000 Kunden registriert.
Ihre Bereitschaft zu wachsen, hatte die Helaba schon im Poker um die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) unter Beweis gestellt. Die Eigner der Mainzer hatten in der vorigen Woche jedoch der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) den Vorzug gegeben.
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Dokument erstellt am 20.07.2004 um 18:00:18 Uhr
Erscheinungsdatum 21.07.2004