Frankfurts OB, SPD und Grüne loben Beschluss, Verhandlungen mit einem Sparkassen-Partner aufzunehmen
Erleichterung herrscht im Frankfurter Rathaus, nachdem beide Anteilseigner der angeschlagenen Frankfurter Sparkasse den Weg für Verhandlungen mit einem rettenden neuen Partner freigemacht haben. Bis Februar gibt es jetzt Gespräche, und zwar ausschließlich mit der Landesbank Hessen-Thüringen.
VON CLAUS-JÜRGEN GÖPFERT
Frankfurt · 12. Dezember · In der Nacht zum Samstag hatte zunächst eine außerordentliche Mitgliederversammlung der Polytechnischen Gesellschaft, zu 60 Prozent Mehrheitseigner der Sparkasse, für die Verhandlungen gestimmt. Danach hatte der Wirtschaftliche Verein, dem neben der Polytechnischen Gesellschaft auch der Anteilseigner Stadt (40 Prozent) angehört, einstimmig für diese Lösung votiert.
Jetzt wird es zunächst um den Wert der Sparkasse gehen, bei der jeder zweite Frankfurter Haushalt über ein Konto verfügt. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) erklärte im Gespräch mit der FR, dass sowohl die Stadt als auch die Landesbank bereits Wertgutachten vorbereiten. "Wir haben nichts zu verschenken", betonte die CDU-Politikerin.
Eigenkapital-Basis schmilzt dahin
Stadtkämmerer Horst Hemzal (CDU) hatte den Verkaufspreis des traditionsreichen Unternehmens schon im Oktober auf insgesamt eine Milliarde Euro taxiert. Am Wochenende hieß es, Gutachter von Investmentbanken hätten sogar schon von 1,4 Milliarden Euro gesprochen. Tatsächlich dürfte die wirtschaftliche Lage der Sparkasse, deren Eigenkapital-Basis bedrohlich schmilzt, aber den Preis erheblich drücken. Akut wird mit einem Millionen-Minus im Jahresabschluss 2004 gerechnet.
Vorstandssprecher Harald Quensen hatte bei der außerordentlichen Versammlung bereits einen Jahresfehlbetrag von vier Millionen Euro zugegeben, nach Erwartung von Fachleuten dürfte diese Zahl jedoch noch steigen. Die Oberbürgermeisterin begrüßte die Entscheidung der Polytechnischen Gesellschaft für Verhandlungen mit der Landesbank. Der Weg sei "schneller als erwartet" eingeschlagen worden. Damit zeige sich die Polytechnische Gesellschaft ihrer Verantwortung gegenüber der Sparkasse bewusst. Die OB geht davon aus, dass die wirtschaftliche Verbindung von Sparkasse und Landesbank aber erst nach der Kommunalwahl 2006 zustande komme.
Auch der Frankfurter SPD-Unterbezirksvorsitzende Franz Frey lobte die Polytechniker. "Es war sicherlich die einzig richtige Entscheidung, den Weg frei zu machen für Verhandlungen." Für die Sozialdemokraten sei wichtig, dass die Sparkasse "in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft" bleibe und nicht an eine private Bank veräußert werde. Jetzt müsse "ein realistischer Wert" für das Unternehmen ermittelt werden. Dann gelte es, das Finanzinstitut "zu stärken", durch eine Erhöhung des Eigenkapitals.
Frey warnte davor, die Sparkasse herunterzureden. "Es ist mein Eindruck, dass das Unternehmen zur Zeit schlechter gemacht wird als es wirklich dasteht", meinte der Sozialdemokrat.
Auch die Grünen im Römer zeigten sich erleichtert von der
Entscheidung der Polytechnischen Gesellschaft. "Ich bin wirklich froh,
dass diese Hürde übersprungen ist", sagte der Fraktionsvorsitzende
Lutz Sikorski. Es handele sich um einen "Meilenstein in der Geschichte
der Sparkasse". Nur die Verbindung mit einem Partner könne die Zukunft
des Unternehmens sichern.
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Dokument erstellt am 12.12.2004 um 18:52:34 Uhr
Erscheinungsdatum 13.12.2004
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KOMMENTAR
Guter Weg
VON CLAUS-JÜRGEN GÖPFERT
Für die Frankfurter Sparkasse, auf die viele Bürger nach wie vor vertrauen, kommt diese Weichenstellung noch rechtzeitig. Für die Polytechnische Gesellschaft, den Mehrheitseigentümer, ist es eine späte Erkenntnis: Zum ersten Mal hat der altehrwürdige Verein anerkannt, dass das traditionsreiche Unternehmen alleine nicht überleben wird.
Für die Sparkasse darf die angestrebte rettende Verbindung mit der Landesbank Hessen Thüringen nun nicht zum Ausverkauf werden. Dabei kommt es zum einen auf das Verhandlungsgeschick der beiden Eigner Polytechnische und Stadt Frankfurt an. Überzogene Wertvorstellungen - auf Seiten der Stadt ist von bis zu 1,4 Milliarden Euro die Rede - sind unrealistisch und helfen nicht weiter.
Nein, die Eigner müssen sich der Tatsache bewusst werden, dass der Verbleib der Sparkasse in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft einen Wert an sich darstellt. Die Verbindung mit der Landesbank kann das Sparkassennetz stärken. Der Einstieg einer privaten Bank wäre ein höheres Risiko, könnte Arbeitsplätze und Filialen kosten.
Für die Sparkasse kann jetzt ein guter Weg beginnen. Dazu muss allerdings zunächst die wirtschaftliche Sanierung vorangetrieben werden. Das heißt auch: Verzicht auf Großfinanzierungen, bei denen man sich nicht selten verkalkuliert hatte.
Die Sparkasse ist ein Stück Frankfurt. Sie ist für die Bürger und gerade für mittelständische Unternehmen da. Bleibt sie dieser Linie treu, hat sie Vertrauen verdient.
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Erscheinungsdatum 13.12.2004