EU hat deutschen Bankensektor im Visier
Kommission untersucht Drei-Säulen-System auf Übernahmebarrieren - Bericht im September
BRÜSSEL (dpa). Nach Italien nimmt die EU-Kommission nun das deutsche Bankensystem wegen möglicher Übernahmehindernisse ins Visier. Dabei geht es um das traditionsreiche Drei-Säulen-System mit Geschäftsbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken, sagte EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy. Der Fall Deutschland werde in einem Bericht zu den Übernahmebarrieren in Europa enthalten sein, den die EU-Finanzminister im September in Manchester erhalten sollen.
Es ist das erste Mal, dass ein EU-Kommissar öffentlich die gewachsene
Struktur des deutschen Bankensystems in Frage stellt. Die Branche gilt
als zersplittert. Mögliche Einstiege von ausländischen Instituten sind
in Deutschland schon länger ein Thema.
Auf Druck Brüssels hatten bereits die deutschen Landesbanken auf ihre
milliardenschweren Haftungsgarantien der öffentlichen Hand verzichtet,
um Verzerrungen auf dem Bankenmarkt zu beenden. Der Ire McCreevy ließ durchblicken,
dass
sein Bericht bei den obersten Kassenhütern der EU nicht durchgängig
auf Begeisterung stoßen dürfte: "Es gibt unterschiedliche Auffassungen
darüber, was zu tun ist", sagte er mit Blick auf die EU-Staaten. Die Integration
des europäischen Bankenmarktes gehört zu den zentralen Vorhaben des früheren
irischen Finanzministers McCreevy. Er legte ein Vorschlagpapier für das
weitere Vorgehen in den Finanzdienstleistungen in Europa vor, das in den
nächsten Monaten mit Branchenbeteiligten diskutiert werden soll.