03. Juni 2003
BLUT FÜR WASSER
Dokumentation · 43 MIN · VPS 21.45
Wasser ist im Nahostkonflikt zum politischen Faustpfand geworden: Im Sechs-Tage-Krieg 1967 eroberten die Israelis nicht nur das Westjordanland, sondern auch dessen unterirdische Wasservorräte und Flüsse. Damals wollte der ägyptische Staatschef Nasser die jüdischen Erzfeinde austrocknen. Israel schaffte sich den Zugriff auf das wertvolle Nass mit Gewalt - Blut für Wasser. Nicht auszuschließen, dass der Kampf ums Wasser in absehbarer Zeit zu einem neuen Krieg führt.
Dokumentation, Deutschland 2003, Erstausstrahlung Von: Rolf Pflücke. Wiederholungen in der Nacht vom 06. zum 07.06. und am 09.06. im Nachmittagsprogramm.
In der von Trockenheit und Wüstenbildung bedrohten Region leben
13 Millionen Menschen; das Frischwasser reicht aber nur für fünf
Millionen. Während sich Israel im Friedensvertrag mit Jordanien 1994
zu einem Kompromiss in der Frage der Wassernutzung durchrang, streitet
es mit den Palästinensern gleichsam um jeden Tropfen. Der Film führt
vom Oberlauf des Jordan über den See Genezareth - Israels "Wassertank"
- zu den dauerberieselten Feldern der Kibuzzim. Dort werden mit unglaublicher
Wasserverschwendung Grapefruits gezüchtet, die weit billiger importiert
werden könnten. Im Westjordanland stehen sich palästinensische
Bauern und jüdische Siedler im Streit ums tägliche Wasser unversöhnlich
gegenüber. In Ein Boqeq am Toten Meer und am Rand der Wüste schießen
Hoteltürme in den Himmel, in deren Lobbys Touristen zwischen Kaskaden
und Pools flanieren. In Bethlehem dürsten gleichzeitig Kinder, warten
Palästinenserinnen geduldig auf Zisternenwagen, die das tägliche
Frischwasser verkaufen. Israelische Wissenschaftler warnen vor den Folgen
dieser verhängnisvollen Verteilungspolitik. Denn von den zwei Milliarden
Kubikmetern Wasser, die Israel jährlich verbraucht, stammt nur ein
gutes Drittel aus dem eigenen Territorium. Die arabischen Staaten werden
nervös, wenn sie beobachten, wie sich die Türkei als einziger
muslimischer Staat immer enger mit Israel verbündet. Vor kurzem wurde
die "Allianz von Demokratien" (Sharon) durch einen zehnjährigen Kauf-
und Liefervertrag von türkischem Süßwasser gefestigt. Ein
politischer Präzedenzfall. Erstmals wird der Rohstoff Wasser zwischenstaatlich
kommerziell gehandelt. Die Türkei bezeichnet diese Maßnahme
als "Friedensbrücke", Israel hat das Wasser als "strategisches Gut"
deklariert. Für Israel ist dies tatsächlich ein strategischer
Deal. Mit demselben Kostenaufwand könnte das Land eigentlich Trinkwasser
aus seinen Meerentsalzungsanlagen gewinnen.