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Ratenzahlung statt Zinsen

Islamic Bank of Britain am Start / Gelehrte wachen über Geschäfte

Großbritanniens erste islamische Bank hat die Zulassung der Finanzaufsicht erhalten und nimmt im September das Geschäft auf.

VON HENNING HOFF

London · 24. August · Die Islamic Bank of Britain (IBB) eröffnet in den nächsten Monaten Filialen in London, Birmingham und Leicester. Das Institut will alle für Geschäftsbanken üblichen Leistungen offerieren. Bis Ende des Jahres sollen Giro- und Sparkonten sowie das Hypotheken-Geschäft eingeführt sein. Telefon-Banking soll noch 2004, Internet-Banking 2005 möglich werden. Alle Angebote gehen mit islamischen Religionsgesetzen, der "Scharia", konform.

Im Islam ist das Einnehmen von Zinsen ("riba") untersagt. Die IBB geht daher bei Investments nach dem Prinzip des geteilten Risikos vor und operiert mit Leasing- oder Ratenzahlungsmodellen. Statt zum Beispiel Kredite gegen Zins zu vergeben, erwirbt die Bank das vom Kunden gewünschte Produkt, das dieser dann abzahlt. Ein Gremium von islamischen Gelehrten wacht darüber, dass alle Angebote und Investitionen der Bank glaubensgerecht sind. Die IBB wird nicht in Unternehmen investieren, die mit Alkohol, Tabak oder Pornografie zu tun haben. Zwar bieten bereits andere britische Geldhäuser wie die HSBC "Scharia"-gemäße Hypotheken an, IBB ist aber die erste Bank, die vollkommen nach islamischen Religionsvorstellungen funktioniert.

Der geschäftsführende Direktor der Bank, Michael Hanlon, der zuvor bei der Barclays Bank war, betont, IBB stehe Muslimen ebenso offen wie Nicht-Muslimen, die sich von der Unternehmensphilosophie angesprochen fühlten. Dennoch sucht die Bank vor allem unter dem frommen Teil der etwa 1,8 Millionen Muslime in Großbritannien ihre Kunden. Da IBB in Europa ohne gleichen ist, will sie sich möglichst bald auch auf dem Festland ausdehnen, wo insgesamt 15 Millionen Muslime leben. Die 14 Millionen Pfund (rund 21 Millionen Euro) Startkapital der Bank wurden vor allem durch Investoren vom Arabischen Golf aufgebracht. Von einem Börsengang am Londoner "Alternative Investment Market" Anfang nächsten Jahres erhofft sich IBB weitere 40 bis 50 Millionen Pfund.

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Copyright © Frankfurter Rundschau online 2004
Dokument erstellt am 24.08.2004 um 18:02:13 Uhr
Erscheinungsdatum 25.08.2004