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Oberhessische Zeitung (Alsfeld) vom 30.10.2004

150 000 Euro Ersparnis per Verbandswechsel?

Homberger Ausschuss brütet über möglichen Wechsel von elf Dörfern zum Abwasserverband Kirtorf und zur WABAG

HOMBERG (la). Noch zu keiner Empfehlung für das Stadtparlament kam Hombergs Haupt- und Finanzausschuss (HFA) am Donnerstag bei dem Magistratsantrag, elf Stadtteile in den gemeinsamen Abwasserverband Kirtorf einzugliedern. Zunächst sollen noch Kostendetails aufgeschlüsselt und beraten werden. Für die nächste Ausschusssitzung am 16. November ist dann ein Beschluss vorgesehen.

Die Sitzungsleitung hatte der stellvertretende Vorsitzende Hans Grischkat für Norbert Reinhard!, der sich als befangen erklärt hatte. Grundlage des Themas sei der Wunsch der Stadtverordneten, Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen zu ergreifen, um die Finanzen der Stadt Homberg zu verbessern.

Im Ausschuss gab Winfried Konle von der Firma WABO als Gütachter Detailerläuterungen zu dem Vertragsangebot der "Wassertechnik GmbH WABAG" als potenziellem Kläranlagenbetriebsführer.

Zum Hintergrund erläuterte Bürgermeister Volker Orth, dass die Stadt Homberg bereits seit Jahren mit den Stadtteilen Erbenhausen, Appenrod und Maulbach Mitglied im Abwasserverband Kirtorf sei. Er sei kraft Amtes Verbandsvorstandsmitglied. Die Verbände Kirtorf und Antrifttal haben zwischenzeitlich, um die Verbandsgemein-den finanziell zu entlasten, ihre technische Betriebsführung optimiert.

Im vergangenen Jahr wurde die technische Betriebsführung für diese beiden Verbände der Firma WABAG übertragen. Diese Betriebsführung betrifft seit dieser Zeit auch die drei Hornberger Stadtteile des Abwasserverbandes Kirtorf. Erbenhausen und Appenrod leiten ihre Abwässer in die Kläranlage Lehrbach ein. Maulbach mit seiner Teichkläranlage gehört ebenfalls zum Kirtorfer Verband.

Zufrieden mit der Betriebsführungsfirma WABAG, plane Homberg jetzt auch die Übernahme der weiteren Stadtteile in den Wasserverband Kirtorf.

Orth sagte während der HFA-Sitzung deutlich, dass sich die vertragliche Regelung mit dem künftigen Betriebsführer erst nach einer Verbandsaufnahme stelle. In dem Vertrag aus dem Vorjahr sei eine Klausel für eine Betriebsführerschaft zu den gleichen Konditionen vorhanden. Dafür zahle die Stadt Homberg dann ein jährliches Betriebsführungsentgelt, basierend auf einer Kalkulation mit den Zahlen der Ausschreibung.

Bei einer technischen Betriebsführung durch die Stadt Homberg selbst sei eine separate Ausschreibung erforderlich. Wichtig sei, dass der Abwasserverband durch die Gremien überwacht werde. Bei einer Betriebsführungsübernahme behalte die Stadt Homberg auch weiterhin die Anlagen, sie bleibe Eigentümerin.

Auch die Beitrags- beziehungsweise Gebührenhoheit verbleibe bei der Stadt. Orth legte Wert auf tue Feststellung, dass es gemäß der Eigenkontrollverordnung auch um die Sanieru ng der Kanalsysteme der Stadt und die Einleiterichtwerte gehe. Ziel sei eine jährliche Einsparung in Höhe von 150000 Euro für die Stadt Homberg.

Wegen des Mitarbeiterpools der Abwasserverbände Kiriorf und Antrifttal seien künftig nur zwei der drei Homberger Mitarbeiter für die Kläranlage notwendig. Eine Entlassung des dritten Beschäftigten sei aus Altersteilzeitgründen nicht notwendig. Die Stelle brauche später nicht mehr von Homberg bezahlt zu werden.

Die WABAG könne Material auch ganz anders einkaufen als die Stadt. Die Fernwirktechnik der WABAG, nach der Störfälle über Handy gemeldet würden, ließen permanente Kontrollen durch Kläranlagenabfahrten entbehrlich werden.

Die WABAG übernehme auch die Verantwortung für die Entsorgung der Klärschlämme zu dem im Vertrag angebotenen Preis. Sie übernehme somit voll das Risiko, auch wenn sich neue gesetzliche Vorschriften ergäben. Die Stadt Homberg hätte ansonsten ein "riesengroßes Problem", sagte der Bürgermeister.

Der Klärschlamm wird bisher in Nieder-Ofleiden aufgearbeitet, in Silos gelagert und abgefahren, um in der Landwirtschaft ausgebracht zu werden. Falls Homberg die Schlammbehandlung in der neuen Kläranlage in Nieder-Ofleiden weiter betreiben will, müsse die Stadt eine moderne Filterkammerpresse sowie zwei Schlammsilos bauen. l ,5 Millionen Euro Investitionen stünden an. Die WABAG übernehme aber die Schlammbehandlung. Somit hätte Homberg lediglich die beiden Schlammeindicker für 400000 Euro zu finanzieren. Orth hob hervor, dass auf der Basis der jährliche Einsparungsrate von 150 000 Euro in drei Jahren die beiden Eindicker bezahlt seien.

Die Kosten könnten kreditfinanziert werden. Eine Belastung über Beiträge und Gebühren sei somit entbehrlich.